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Reisebericht Fulda Challenge 2002

Tag 4: 01.02.02
Am vierten Tag Fulda-Challenge standen mit dem Gepäck-Schlitten-Rennen und dem Erklettern einer 10 Meter hohen Eiswand am Eingang zur Goldgräberstadt Dawson für die weiterhin in Zelten übernachtenden Mannschaften zwei Wettkämpfe mit maximalen körperlichen Belastungen bevor. Vor der Kulisse der Cabin von Jack London, der wie viele tausend anderer Stampeder - so die Bezeichnung der nach Dawson einfallenden Goldgräber - Ende des 19. Jahrhunderts sein Glück am Klondike suchte, konnten die an der Fulda-Challenge teilnehmenden Teams die Strapazen nachfühlen, die diese Menschen damals auf sich nahmen. Für die zehn Mannschaften war der Weg, im Gegensatz zu dem 800 km langen vom Pazifik bis zu den Goldfeldern nahe des Polarkreises, jedoch wesentlich kürzer: nur 110 Meter maß die bergauf führende Strecke, die von den aus je einer Frau und einem Mann bestehenden Teams aus Europa und Kanada schnellstmöglich bewältigt werden mußte. Allerdings mit einem in die Knochen gehenden "Handicap": der mit fünf Fässern und einem Strohballen samt Schaufel und Beil beladene 250 kg schwere Schlitten mußte auf schneebedecktem Weg mitgezogen werden - angesichts des Materials eines Stampeders, der außerdem auf Geheiß der kanadischen Grenzposten für ein Jahr Essensvorräte dabei haben mußte, eigentlich noch nicht besonders viel. Gleichwohl forderte dieser Wettbewerb, bei dem die Wahl der Schuhe den Teilnehmern frei überlassen war, die ganze Kraft der Sportlerinnen und Sportler, die trotz der morgendlichen Ruhepause, die allen Teilnehmern nach den anstrengenden ersten drei Wettkampftagen gegönnt wurde, fast bis an die Grenze der Erschöpfung kämpften.

Nachdem das Schweizer Team als erste Starter sich mit einer Zeit von 5.59 qualvollen Minuten ins Ziel retteten, machten es die Italiener deutlich besser: mit Skistiefeln anstatt Bergschuhen ausgerüstet konnten sie ihre Kraft auf dem festgefahrenen Schnee wesentlich besser umsetzen und erreichten eine Zeit von 3.10 Minuten. Noch schneller waren Kirstin Rösel und Martin vom Hagen (Deutschland I), die mit Schneeschuhen die Strecke in 2.47 Minuten bewältigten. Zwei weitere Teams - aus den Niederlanden und vom ADAC - konnte diese Leistung nicht wiederholen. Erst die mit Nummer sechs gestartete Mannschaft von Österreich, Lucia Mitter und Anton Gächter, schaffte mit 2.00 Minuten eine neue Bestzeit, die - so schien es - nicht mehr zu überbieten war. Ihre Landsleute vom ÖAMTC kamen zwar mit 2.15 Minuten knapp an sie heran, doch Manuela Dräger und Thilo Hildbrandt, das Hitradio FFH-Team, schaffte als vorletztes Team die "Dawsoner Sensation": mit 1.58 Minuten erkämpften sie sich Platz 1 in diesem vom Tiroler Kletterass Olaf Reinstadler und seinem Team organisierten Wettbewerb.

Ebenfalls unter der Leitung von Reinstadler und dessen Team, dem unter anderen auch sein Bruder Philipp und Kurt Ortler angehören, wurde das wegen des rauhen, an einigen Stellen brüchigen Eises spektakuläre Eisklettern bis in eine Höhe von 10 Metern durchgeführt. Als maximale Zeit standen fünf Minuten pro Team-Mitglied zur Verfügung. Wie stark auch hier die Leistungen aller Teilnehmer waren, wird an der Tatsache deutlich, daß es trotz der schwierigen Verhältnisse nur zu einem Absturz kam. Die freiwillig als erste Mannschaft gestarteten Kanadier - im Eis findet man zu Beginn immer am schwersten Halt - zeigten in unnachahmlicher Weise die hohe Kunst dieses Sport: beide zusammen benötigen nicht einmal vier Minuten, um die Spitze der Wand zu erreichen. So hatten in dieser Paradedisziplin der Lokalmatadoren die anderen Mannschaften nur geringe Siegchancen. Auch das "Schau das Du weiterkommst", das die Österreicherin Karin Schweng ihrem in der Wand sich nach oben kämpfenden Partner Ruppert Riedl zuschrie, half da wenig. Den zweiten Platz konnten sich immerhin ihre Landsleute, Österreich I, sichern, da auch Anton Gächter es innerhalb des vorgegebenen Zeit bis auf die Spitze schaffte.

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